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Hilfe, Frau Seitling
kommt!
Betty ihr nächtlicher
Abendspaziergang durch Hirschberg ist nun auch schon wieder eine volle
Woche her und zum Glück ohne irgendwelche gesundheitliche Nachwirkungen
für sie geblieben. Darüber sind wir natürlich alle sehr froh und ich
möchte mir gar nicht weiter ausmalen, was ihr hätte alles passieren
können.
Nachdem meine zwei geliebten Rabauken Betty und Barny mit ihren sehr
anstrengenden Umräumungsversuchen endlich fertig sind, heute musste mal das
Zimmer von unserem Patrick richtig daran glauben und ich konnte es wieder
einmal nicht unterlassen ein paar Bildchen davon zu schießen, haben sie
sich aus reiner Gewohnheit in unserem Wohnzimmer einen gemütlichen
Schlafplatz gesucht.
Mein Barny hatte es sich wie üblich ziemlich einfach machen wollen, obwohl
es für ihn schon in einen mittleren Kraftakt ausartete. So sah es
jedenfalls für mich persönlich aus. Er schnappte sich nämlich das
allergrößte unserer Couchkissen, wie kann es denn auch anders sein,
schubste es buchstäblich mit Kopfarbeit erst einmal auf den Fußboden
hinunter und schleifte dann das Kissen hinter sich her wie so einen erbeuteten Feldhasen. Dann und wann tritt er aber mit einer seiner vier
Pfoten auf das Kissen und kommt einfach nicht weiter. Gereizt dreht sich
mein Dicker hastig um, weil er wohl seine Bettymaus dahinter vermutet und
als er sie nirgends entdecken kann, hält er seinen Kopf leicht schief und
staunt. Ein Weilchen beobachtet Barny nun aufmerksam seine nähere
Umgebung, während sich seine Rute aufgeregt hin und her bewegt. Auch ein
leises beständiges Muckern ist zu hören, eigentlich ein sehr deutlicher
Fingerzeig dafür, das unser Frettchen ringsherum zufrieden und in
Spiellaune ist. Aber da sich nun weit und breit kein anderes Frettchen zum
Spielen sehen lässt, fährt man halt mit dem fort was man gerade so in der
Mangel hatte, nämlich mit dem Couchkissen. Irgendwie hat es Barny dann
auch geschafft das Kissen in eine geräumigere Lücke zwischen unserer
Couch, der Außenwand und dem kleinen Bücherregal zu verstauen. Man kann
ihm regelrecht ansehen wie anstrengend die ganze Aktion für ihn doch
gewesen sein muss und er macht es sich augenblicklich, ohne sich weiter um
die anderen zwei Anwesenden im Wohnzimmer zu kümmern, auf dem Kissen
bequem und schläft auf der Stelle ein.
Bei meiner zarten Betty ist das schon ein wenig verzwickter, denn seit
ihrem nächtlichen Spaziergang macht sie einen wahrlich riesengroßen Bogen
um ihre bevorzugten Lieblingsplätze und auch um die Schlafecken (Es gibt sich aber zum Glück nach zwei Wochen wieder – eine kleine
Randbemerkung von Barny). Fast immer, so auch heute wieder, sucht sie den
hautengen Kontakt beziehungsweise meine körperliche Nähe, um erst dann in
einen tiefen Schlummer zu fallen.
So sitze ich also ganz ruhig auf meinem Sessel. Habe eines der bunten
Couchkissen die Betty so liebt auf meinen Knien, und warte darauf, das
meine Kleine, die es sich eng zusammengerollt auf dem Kissen bequem
gemacht hat, eingeschlafen ist. Ein beruhigendes Streicheln über ihren
schmalen Rücken hilft ihr wie immer beim Einschlummern.
Gleichmäßige und tiefe Atemzüge, sowie ein leicht offen stehendes Mäulchen
aus dem sich die Zunge etwa einen halben Zentimeter herausgeschoben hat,
verraten mir, das Betty nun endlich fest eingeschlafen ist und ich lege
sie zusammen mit dem Kissen vorsichtig in einer Ecke der Couch ab.
Ich werde nun die zirka halbe Stunde nutzen, dann haben meine zwei
schlummernden Frettchen sicherlich abgeruht, um mir einen meiner
berühmten, kräftigen und schnellen Kaffee zu zubereiten, die aktuelle
Tageszeitung von heute zu lesen und danach die allerneuesten Bilder von
Betty und Barny anzuschauen.
Beim Durchblättern der Zeitung bin ich wie immer auf der Suche nach
irgendwelchen Artikeln oder noch so kleinen Beiträgen aus aller Welt, was
schon vollkommen automatisch geschieht und mir sozusagen gar nicht mehr
bewusst wird, die irgend etwas mit Frettchen zu tun haben.
Und es geschehen doch tatsächlich noch kleine Wunder, denn heute stieß ich
endlich auf der vorletzten Seite, dem so genannten Unterhaltungsteil für
große und auch kleine Leute unserer Tageszeitung, nach wirklich sehr sehr
langer Zeit, auf eine kleine, beinahe winzige und besonders amüsante
Episode mit Frettchen. Die möchte ich keinem vorenthalten und mit
Genehmigung des australischen Autors, darf ich sie Euch hiermit zum Besten
geben. Es ist die deutsche Übersetzung eines Beitrages für das SAFA -
Frettchenmagazin, SAFA = South Australian Ferret Association.
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Der Eindringling von K. F. Bernhard (Tasmanien- Australien)
"Kinder, schaut einmal, wir haben ein fremdes Frettchen in unserem Käfig.
Papa hat sich bestimmt wieder einen Spaß erlaubt!"
Das waren die allerersten Worte, die mir ins Bewusstsein drangen, hunderte
neue Gerüche brachten meine Nase ins zucken. Ich war umgeben von Fähen und dem Rüden von Dienst. Mit gesträubten Fell wurde mein
Hintern beschnüffelt. Ich krümmte meinen Buckel und stieß einen Schrei
aus. Ich war in ein Frettchen verwandelt. Eine menschliche Hand nahm mich
am Nackenfell und hob mich aus dem Käfig, es nahm mir den Atem und meine
Augen wurden glasig.
"Ja, es ist ein fremdes Frettchen", meinte die verwunderte Mutter. "Er
schaut gut aus und ist ein Rüde. Stinken tut er. Morgen kommt er zum
Tierarzt."
Ich wachte auf, zitternd, meine Zähne im Kissen verbissen. Meine Hände in
der Pyjamahose verkrampft. Ein Stoß meiner Frau mit dem Ellbogen in meine
Rippen weckte mich ganz auf. "Was ist los, hattest du einen Albtraum?"
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Einfach herrlich! Ich finde sie wirklich echt humoristisch, so das ich
erstens, gar nicht aufhören kann mit lachen, meine beiden Frettchen heben
schon verwundert ihre Köpfchen und zweitens, diese witzige Geschichte
sofort ausschneiden muss, um sie meiner Sammlung über Frettchen hinzufügen
zu können. Außerdem bin ich wirklich neugierig
darauf, was meine drei Männer zu dieser hübschen Geschichte sagen werden,
wenn sie am Nachmittag nach Hause kommen.
Da ich Betty und Barny aber nicht in ihrem Schlummer unterbrechen möchte,
nehme ich mir nun die Fotos vor, die schon vor mir auf dem Wohnzimmertisch
bereitliegen und an denen ich mich wie gewohnt nicht satt sehen kann.
Frettchen haben eben so ein gewisses Etwas!!!
Mein Blick wandert einmal mehr auf die Dorfstraße hinaus, weil von dort
so ein eigenartiges Knattern an meine Ohren dringt. Und da ich mir die
ständige Neugier von meinen Frettchen abgeschaut habe, muss ich einfach
wissen, was da draußen los ist, beziehungsweise wer dort draußen sein
Unwesen treibt. Immer nach dem Motto meiner lieben Frau Mama, das da
lautet: "Neugier ist die Mutter der Weisheit!" .
Jetzt scheint dieses knatternde Getöne etwas näher gekommen zu sein. Grund
genug für mich vor unsere Haustür und auf den Dorfplatz zu gehen, um
einfach mal nach zu schauen.
Das einzige Objekt, beziehungsweise Fahrzeug, weit und breit, ist ein
ohrenbetäubend knatternder und ein wahrhaft grasgrüner Trabant. Ein Auto,
welches man heut zu Tage immer seltener auf unseren Straßen vorfindet. Er
gondelt die wenigen Straßen, die den kleinen Dorfplatz kreuzen, immer
wieder langsam hinauf und genauso langsam kommt er wieder zurück. Der
Chauffeur des geräuschvollen Autos, einst auch liebevoll Rennpappe
genannt, der von weitem ziemlich wohl beleibt für mich aussieht, muss
irgendwen suchen.
Na, dann will ich mal nicht so sein und die Sache ein kleines bisschen
vorantreiben, denke ich gerade noch bei mir und mit großen Schritten eile
ich dem Trabbi entgegen, um dem Fahrer meine ortskundige Hilfe bei der
ergebnislos aussehenden Suche anzubieten. Doch je näher ich dem inzwischen
haltenden Fahrzeug komme, um so deutlicher schreit meine eigene innere
Stimme beschwörend auf: "Tue das bitte nicht! Samanta!!! Behalte deine
Hilfsbereitschaft nur einmal für dich! Verschwinde hier und gehe einfach
wieder nach Hause, aber sofort!!!" Im grasgrünen Trabant sitzt nämlich
niemand anderes als Frau Seitling.
Schon wird die Scheibe an der Fahrerseite eilig herunter gekurbelt und ihr
vollmondiges Gesicht schiebt sich mir fragend entgegen: "Können sie mir
vielleicht verraten, wo hier eine Familie mit dem komischen Namen
Trimmdich wohnt?" Sie hat ihre Frage noch gar nicht richtig an den Mann,
-eh an die Frau gebracht, als regelrecht ein erkennendes Leuchten über ihr
dickes Gesicht läuft.
Jetzt gibt es leider kein zurück mehr für mich und ich mache eine gute
Miene zum bösen Spiel. Was bleibt mir denn auch anderes übrig?
"Mensch, wenn das keine Überraschung ist, die Frau Seitling! Sie hier in
Hirschberg, das ist ja vielleicht ein Ding! Wie haben sie sich denn hier
her verirrt? Kommen sie doch erst einmal herein. Ihren Trabbi
können sie gleich dort neben der Hainbuchenhecke abstellen." plaudere ich
munter drauf los, obwohl ich ihr lieber klipp und klar sagen würde, das
ich auf ihren "lieben" Besuch absolut kein bisschen scharf bin und das sie
auf dem schnellsten Wege die Kurve kratzen soll. Wer weiß denn schon, was
die Frau zu mir nach Hirschberg getrieben hat und welche Erwartungen sie
mit ihrem Besuch hegt.
Aber, wie würde sich meine geliebte Frau Mama wieder ausdrücken und mir
den Kopf wegen unnötiger Schwarzmalerei regelrecht zurecht rücken: "Mein
liebes Töchterlein, male doch den Teufel nicht gleich wieder an die Wand!"
Trotzdem, ich habe dann und wann halt solche absonderlichen Vorahnungen,
Martin tituliert mich dann gerne mit "kleine Hexe", die sich dann auch
noch prompt erfüllen. So ist es auch heute wieder einmal. Denn das mich
nun beschleichende Gefühl, das die völlig unverhoffte Stippvisite von Frau
Seitling nur wegen unserer zwei Frettchen stattfindet, sollte mich nicht
im Stich lassen.
Doch ehe Frau Seitling mit ihrem Anliegen herausrücken kann, dauert es
noch eine geraume Zeit, beziehungsweise eine ganze viertel Stunde. Wie
sich nämlich herausstellt, fährt sie gewissermaßen nicht allzu oft mit dem
Trabbi durch die Lande, nur hin und wieder mal, wie sie mir später
felsenfest beteuert. Sie hat offensichtlich gewaltige Probleme mit dem
rückwärts fahren, weswegen sie erst eine ganze Runde um unseren Dorfplatz
drehen muss, um neben der Hainbuchenhecke einparken zu können. Aber beim
Aussteigen wollen aus dem Auto zeigt sich umgehend ein neues Problem,
welches von Frau Seitling nur unter stöhnen, ächzen, schieben und drücken
zu bewältigen ist. Die gute Frau hat seit unserer letzten und im Prinzip
einzigsten Begegnung vor gut sieben Monaten nicht nur deutlichst an
Gewicht sondern auch an Körperumfang zugelegt, so das sie sich ungelogen
schon mit einer unnachgiebigen und sehr energischen Kraftanstrengung
hinter dem Lenkrad hervor bemühen muss, um ihren fahrbaren Untersatz
überhaupt verlassen zu können. Schließlich hat Frau Seitling es irgendwie
geschafft und sie wischt sich mit einem blass rosafarbenen Taschentuch, das
mit hübschen zierlichen Spitzen umhäkelt ist, welches in ihren fleischigen
Händen kaum zu sehen ist, den perlenden Schweiß von der Stirn. Nun kann
sie meiner höflichen Aufforderung, mir in unser Haus zu folgen, endlich
nachkommen.
Ich habe die Haustür noch gar nicht richtig hinter uns geschlossen und die
Wohnzimmertür vorsichtig geöffnet, weil ja vielleicht Betty und Barny
inzwischen ausgeschlafen haben, als ich an Frau Seitling ein auffällig
schnüffelndes und auch suchendes Verhalten beobachte. Da ich aber nichts
auf dem Küchenherd zu stehen habe, da bin ich mir völlig sicher, was
möglicherweise übergekocht sein könnte und auch
der Kachelofen im Wohnzimmer, der nur mit Holz beheizt wird, in der
Zwischenzeit ausgegangen ist, kann ich mir absolut nicht erklären, warum
die Frau das tut.
Obwohl ich schon sehr gerne wissen würde, was denn ihre ungeteilte
Aufmerksamkeit erregt hat, verkneife ich mir die wissbegierige Frage und
bitte Frau Seitling sich schon mal einen Platz ihrer Wahl aus zu suchen.
Ich würde in der Küche nur schnell ein Kännchen Kaffee für uns aufsetzen,
was ich dann auch sofort in die Tat umsetze.
Bepackt mit zwei großen Tassen, nebst den dazu gehörenden Untertassen, einer Büchse Kaffeesahne und eine kleine Zuckerdose, gefühlt mit
Würfelzucker, kehre ich im wahrsten Sinne des Wortes auf leisen Sohlen in
das Wohnzimmer zurück. Doch der unglaubliche Anblick der mich hier
erwartet, als ich so beladen wieder in unser Wohnzimmer zurückkomme,
erschüttert mich eines Teils zutiefst, jedoch sorgt er auch eines Teils
dafür, das sich meine beiden Augen schlagartig, bis hin zum völligen
Überlaufen, mit Tränen anfüllen! Mit Lachtränen wohlgemerkt, weil ich in
diesem Moment wirklich nicht weiß, ob ich nun lieber heulen oder doch
lieber lachen soll, denn Frau Seitling hängt, höchstwahrscheinlich als
Auswirkung ihrer eigenen Körperfülle, buchstäblich unter unserem massiven
eichenen Schreibtisch fest.
Neben dem Schreibtisch liegt eine große gläserne Obstschüssel, deren
Zustand man wahrlich nicht mehr als heil oder ganz bezeichnen kann. Und
das ist sozusagen der Grund, warum ich jetzt heulen könnte. Die Schüssel
erhielt ich vor wenigen Tagen von meinem Mann Martin als Geschenk zum
Valentinstag. Und genauso eine Schüssel hatte ich mir schon immer
sehnlichst gewünscht. Darin sollte stets das frischeste Obst für die
Familie serviert werden, da dann automatisch mehr davon gegessen wird und
weil es eben appetitlicher aussieht, als in so einer ollen Plastetüte. Mal
sehen, was mein Martin zu der Bescherung sagt? Die ich ihm aber sicherlich
erst unter die Nase reiben werde, wenn er die Frettchengeschichte aus
Tasmanien gelesen hat!
Doch zurück zu Frau Seitling. Das nur sie der Übeltäter gewesen sein kann,
bei ihrem ernsthaften Versuch sich wieder zu befreien, ist mir sofort
klar. Haben wir doch schon vor mehreren Wochen ausnahmslos alles, von A
wie Anrichte bis Z wie Zierpflanzen, Frettchen sicher in unserem
Wohnzimmer umgestaltet, wodurch Betty und auch Barny jede noch so kleine
Möglichkeit genommen wurde, auf den Schreibtisch hinauf zugelangen und
dort irgendeinen Schaden anzurichten.
Doch, warum mir auch die Lachtränen in Strömen über mein Gesicht laufen,
so hat das ganz andere Beweggründe. Das hängt vollkommen mit meinen beiden
süßen Lieblingen Betty und Barny zusammen, die sich einfach nur so
verhalten, wie es einem Frettchen sozusagen schon in die Wiege gelegt
wird.
Frettchen müssen, ob sie es nun wollen oder auch nicht, alles Neue in
ihrer unmittelbaren Umgebung, egal ob es sich dabei um lebendige oder auch
"tote" Objekte handelt, gewissenhaft untersuchen. Das heißt nichts
anderes, als das nun das neue Objekt beschnüffelt, abgeleckt und durch die
Gegend transportiert beziehungsweise geschleppt wird. Mal geschieht das,
indem man versucht das unbekannte Gebilde oder die fremde Person durch die
Gegend zu schleifen, zu schieben, hinter sich her zu zerren, zu rollen, zu
drücken, zu ziehen, zu stoßen, zu schleppen und und und. Zwischendurch
kommt aber auch ihre längliche Zunge, deren Oberfläche wie ein kleines
Reibeisen ist, immer wieder einmal zum Einsatz. Ungefähr nach dem sehr
frettchenhaften Motto: "Wenn ich weiß wie Du schmeckst und riechst, so
zeige ich Dir wer Du bist!" Oder so ähnlich.
Betty und Barny sind unterdessen nicht nur aus ihrem Schlaf erwacht
sondern scheinen der ihr fremd vorkommenden Person ein Geheimnis entreißen
zu wollen und teilen sich die sorgfältige Erkundigung.
Frau Seitling kniet ja immer noch unter unserem großen Schreibtisch. Ihren
Oberkörper hat sie weit nach vorne gebeugt, wobei der Kopf die Wand
berührt, an der unser Schreibtisch seinen Platz hat und beinahe auch den
Fußboden. Die massigen und breiten Schultern sind fest von unten gegen die
massive Schreibtischplatte gequetscht und der große Bauchumfang lässt es
wahrscheinlich nicht zu, das unsere Besucherin sich allein aus dieser
misslichen und knienden Lage befreien kann. Doch bevor ich ihr tatkräftig
und zielbewusst zu Hilfe eile, beobachte ich beinahe schon wie
hypnotisiert, ich kann gar nicht mehr anders, das erforschende Treiben
meiner beiden Frettchen.
Barny hat es wohl übernommen dieses lebendige Wesen schnüffelnder Weise zu
erkunden. Er steht auf seinen beiden hinteren Branten, direkt neben dem
linken Fuß von Frau Seitling, und hat eine ganz aufrechte Körperhaltung
eingenommen. Sie lässt mich gänzlich unbewusst an ein sehr aufmerksames
Erdmännchen denken, welches für seine Kolonie getreulich Wache hält. Seine
beiden vorderen Branten (Pfoten) hat er aber übereinander, wie gesagt
nicht nebeneinander, in einem Abstand von zirka zehn Zentimeter an dem
etwas ausladenden Gesäß meiner Besucherin abgestützt. Seinen Kopf
indessen, beziehungsweise die in Falten gelegte hochgezogene Nase, die wie
eine Ziehharmonika auf mich wirkt, lässt er langsam über die Naht der
dunkelbraunen Hose gleiten, wobei er argwöhnisch schnuppert oder anders
ausgedrückt intensiv wittert, von oben nach unten und umgekehrt. Das auch
seine beiden spitzen Eckzähnchen überdeutlich zu erkennen sind, ein wenig
schauen sie ja trotz geschlossener Schnauze immer heraus, nebst seiner
oberen Zahnreihe, bedeutet für mich nichts anderes, als das meinem
Dickerchen nicht sonderlich gefällt, was er gegenwärtig vor seinem
Riecher hat. Seine Nackenhaare scheinen sich jetzt wie elektrisiert
aufzustellen und auch seine Rute (der Schwanz), die ruhelos auf dem
Teppichboden hin und her wischt, nimmt die auffällige Form einer
Flaschenbürste an.
Auweia, jetzt irgendeine eine falsche oder plötzliche Bewegung von der
Frau Seitling, dann brennt hier aber buchstäblich die Luft. Und da ich
sehr wohl weiß, wozu oder zu welchen Dingen mein kleiner lieber Barny
fähig sein kann, ich sage da nur Analdrüsenentleerung, halte ich vor
lauter Spannung die Luft an. Doch noch ist er ja reineweg friedlich und
mit seiner gründlichen Begutachtung oder Musterung vollauf beschäftigt und
deshalb lasse ich meinen Barny noch gewähren. Habe aber immer ein
wachsames Auge auf meinen Dicken!
In der Zwischenzeit war meine zarte Betty natürlich auch nicht völlig
untätig. Zunächst hatte sie sich richtig verbiestert im Saum des rechten
Hosenbeines von Frau Seitling verbissen und wollte doch tatsächlich die
wohl beleibte Dame von unserem Schreibtisch wegziehen. Schließlich war dort
ja auch einmal ihr Lieblingsschlafplatz. Dabei spielt es gegenwärtig
überhaupt keine große Rolle, ob sie diesen Platz zur Zeit gerade benutzt
oder eben nicht, hier geht es lediglich um das Prinzip. Und Bettylein hat
so manchmal, wie es unser etwas verträumte Barny von Zeit zu Zeit am
eigenen Leibe schmerzlich erfahren musste, sehr konsequente Prinzipien.
Deshalb gibt sie keineswegs gleich auf. Wenn die kraftvolle Zottelei
irgendwie nicht den gewünschten Erfolg bringt, muss man sich halt eine
andere, vielleicht zweckmäßigere Stelle suchen, um die komplette
Geschichte von vorne zu wiederholen.
Betty lässt also den Saum einfach Saum sein und hakt sich jetzt kraftvoll
mit ihren Zähnen dort ein, wo sich die dicken Waden gut sichtbar unter dem
Hosenstoff hervorheben. Für einen flüchtigen Moment war ich sogar geneigt
zu glauben, das ich das harte Aufeinanderschlagen ihrer Zähne regelrecht
hören konnte. Aber sicherlich unterlag ich hier nur einer akustischen
Sinnestäuschung, weil ich Betty bei ihrem absonderlichen Tun ganz genau
und fasziniert beobachte.
Doch irgendwie "sitzt" der Stoff wohl noch nicht richtig und mit einer
blitz schnellen Bewegung greift sie sozusagen nach. Danach stemmt sich
meine Betty mit allen vier Branten und mit der ihr zur Verfügung stehenden
Kraft nicht nur vom Fußboden sondern auch von Frau Seitling weg. Im Großen
und Ganzen erinnert mich die eingenommene Haltung von Betty nicht
unbeträchtlich an einen wirklich wütenden Hund, der an einem Ende eines
dicken Seiles hängt und der versucht es einem anderen, ebenfalls wütenden
Hund zu entreißen.
Aber da ihre Bemühungen trotz größter Kraftanstrengung nicht von Erfolg
gekrönt sind, lässt Betty unverhofft die Hose los, schnellt abrupt auf die
dicke Wade zu und faucht von dort, auf das äußerste erbost, den strammen
Hintern an, der es zu unserem Glück kommentarlos über sich ergehen lässt.
Aber meine kleine Betty ist immer noch nicht gewillt aufzugeben und greift
nun verbittert den sich leicht bewegenden rechten Fuß von Frau Seitling
an. Zu ihrem Glück hat diese ein paar dickere Wollsocken an. So erwischt
meine liebreizende Betty, die heute wie ein Berserker auf mich wirkt, bei
ihrem erneuten Angriff nur das Bündchen der Socke und streift eher
flüchtig die darunter liegende Haut. Zu meiner wirklich großen
Überraschung veranlasst das meine Frau Seitling nicht nur zu einem
begeisterten Jauchzer sondern lässt sie auch weiterhin geduldig und ohne
einen Kommentar auf ihren Lippen zu haben unter dem Schreibtisch
ausharren.
Ich verstehe die Welt nicht mehr!!! Aber da es ja meiner Besucherin
außerordentliches Vergnügen zu bereiten scheint, warte ich weiter ab.
Betty gelingt es nun irgendwie, der Frau Seitling die dicke Socke bis über
die Ferse des Fußes zu ziehen, wobei sie ihre rechte Brante auf dem nun
unbekleideten Fleisch des Beines oberhalb der Ferse abstützt und die
andere Brante auf der Fußsohle.
Doch was mich beinahe in eine Ohnmacht stürzen lässt und mich vollkommen
aus meiner beobachtenden Haltung sowie Fassung bringt, ist die
unübersehbare Tatsache, das meine Betty momentan nicht anderes im Sinn
hat, mit fest geschlossenen Augen, an genau dieser freigelegten Ferse
herum zu lecken und zu knabbern.
Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt reicht es aber! Was zu viel ist, ist
zu viel! Umgehend setzte ich dem Ganzen ein sofortiges Ende.
Betty und auch Barny greife ich zwar behutsam, damit sie sich nicht
erschrecken und doch noch zu beißen, aber trotzdem sehr energisch in ihr
Nackenfell, was ja bekanntlich jegliche Muskeln in ihnen sofort
erschlaffen lässt und verfrachte beide Frettchen vorübergehend in der erst
kürzlich erworbenen Transportbox für Tiere, die unter unserem Küchentisch
steht.
Dann eile ich auf schnellstem Wege in das Wohnzimmer zurück, weil von dort
laute und undefinierbare Töne an mein Ohr dringen. Und wie von mir
vermutet, versucht sich Frau Seitling wieder einmal selbst zu befreien,
was ihr aber nicht so recht gelingen will. Dieses Mal bin ich aber
hundertprozentig gewillt ihr aus der Bedrängnis heraus zu helfen. Mit
einem kräftigen Ruck hebe ich den Schreibtisch auf seiner rechten Seite
soweit an, das sich Frau Seitling vorsichtig rückwärts krabbelnd endlich
frei machen kann.
Mit hochrotem Kopf und auch die Augen stark gerötet, vielleicht ist es ja
auch eine Bindehautentzündung, steht sie dann wie ein Fels in der Brandung
vor mir und ich mache mich schon seelisch und moralisch auf ein
ordentliches Donnerwetter von ihr gefasst. Aber nichts dergleichen
passiert, ganz im Gegenteil. Sie nimmt mich fest in ihre beiden stämmigen
Arme, drückt mich sozusagen nicht nur an ihr Herz sondern auch einen
feuchten Schmatz auf meine Wangen, einen links und den anderen rechts.
Fassungslos lasse ich es über mich ergehen und erst ihre freundliche
Frage, ob es denn möglich wäre jetzt einen Kaffee zu bekommen, bringt mich
wieder zur Besinnung.
Hilfsbereit und ein zufriedenes Lächeln im Gesicht stellt Frau Seitling
die von mir bereits mitgebrachten Utensilien auf unserem Couchtisch
zurecht, während ich in unsere Küche hinübereile und den seit langem
durchgelaufenen Kaffee, umgefüllt in eine blaue Thermoskanne, hole. Das es
sich Barny und Betty in der Box und auf der darin liegenden Babydecke
richtig bequem gemacht haben, sie sicherlich schon wieder beim Kuscheln
sowie putzen waren und darüber eingeschlafen sind, entgeht aber meinen
wachsamen Augen trotzdem nicht.
"Aller Anfang ist schwer!" würde meine liebe Frau Mama wieder mal sagen,
doch endlich sitzen wir uns gegenüber, Frau Seitling und ich.
Sie rückt nun ohne große Umschweife mit dem wahren Grund ihres
unangemeldeten und völlig überraschenden Besuches heraus: "Es geht
natürlich um meine ehemaligen Frettchen Ella und Freddy. Die Zwei waren
doch die letzten Welpen im vergangenen Jahr, die sozusagen in die Fremde
zogen. Wissen sie, liebe Frau Trimmdich, ich wollte doch unbedingt wissen,
was aus den beiden Süßen so geworden ist. Wie sie sich doch sicherlich
noch erinnern können, waren Ella und Freddy ein kleines bisschen
schwächlich auf der Brust. Ich musste sie mit viel viel Ausdauer und Liebe
hochpäppeln."
Jetzt bin ich das erste Mal richtig platt! Nie und nimmer hatten unsere
beiden Frettchen damals einen Namen. Davon hätte doch Frau Seitling sicher
etwas erwähnt! Warum denn auch nicht? Daran kann ich mich beim allerbesten
Willen nicht erinnern.
Und von wegen mit Ausdauer und mit Liebe aufgepäppelt. Ich sehe heute noch
die völlig verschmutzte Futterschüssel mit den Kartoffeln oder dem Reis
oder aber auch den Nudeln vor mir stehen. Und das das ganze Zeug zwar wie
gekocht und grob zerkleinert aussah, dann mit klein geschnittenen
Fleischstückchen oder vielleicht auch nur mit irgendwelchen Wurstresten
und brauner Soße gestreckt wurde, um zum Schluss alle Zutaten ordentlich
miteinander zu vermengen. Aber auch das dementsprechend alles schon recht
blasig aussah und es fürchterlich säuerlich roch, habe ich nicht aus
meinem Gedächtnis streichen können. Meiner Meinung nach gärte ja dieser
ganze Pamps schon. Und das sollte nun die Ernährung für die Frettchen
gewesen sein mit der sie meine Lieblinge mit Ausdauer und Liebe
hochgepäppelt hatte?
Und ich höre sie heute noch immer laut aufschreien: "Ihr verdammten
elenden Mistviecher!!! Das ist nun euer ganzer Dank dafür, dass man euch
halb toten Krüppels trotzdem noch mit hochgepäppelt hat, anstatt euch
gleich eins vor den Kneissel (Kopf) zu hauen!"
Mich durchläuft ein eisiger Schauer, wenn ich nur an diesen Tag
zurückdenke. Obwohl er unserer Familie ja zwei Freunde fürs Leben ins Haus
brachte, Betty und Barny.
Später sagte ja meine liebe Frau Mama einmal, als ich ihr die ganzen
Begebenheiten rund um den Erwerb unserer beiden Frettchen erzählte:
"Selten ein Unglück, wo nicht ein Glück dabei ist!"
Was nun aber Frau Seitling betrifft. Hat diese Frau nichts dazu gelernt
und geht sie denn immer noch so mit ihren Frettchen um? Das sind die
besorgten Fragen die jetzt durch meinen Kopf gehen. Und plötzlich fällt
mir die Bitte von der Tiergartenleiterin aus Wildesheim der Frau Zuhaus
wieder ein, ihr den Namen und den Ort zu nennen, wo wir unsere Welpen
käuflich erworben haben. Ich werde Frau Zuhaus in den kommenden Tagen
sicherlich einmal anrufen und ihr die benötigten Informationen geben.
Vielleicht ist es ja für die anderen Frettchen noch nicht zu spät.
Aber ich komme nicht dazu mir ausführlicher den Kopf darüber zu
zerbrechen, weil mir schon die nächsten Fragen um die Ohren zischen.
"Haben sie eigentlich die beiden hübschen und großen Kuscheltücher noch,
die ich ihnen seinerzeit mitgegeben habe? Freddy war ja immer so
verschossen in das gelbliche Tuch, das mit den Sternen drauf. Mich würde
es brennend interessieren, welchen Rufnamen sie den beiden Frettchen
gegeben haben, Frau Trimmdich?"
Da es Frau Seitling nun vorzieht einen großen Schluck Kaffee zu sich zu
nehmen, antworte ich zunächst auf diese zwei Fragen. Obwohl sich in mir
das starke Gefühl breit macht, das es sicherlich noch nicht die Letzten
waren. Und was diese verdreckten Tücher betrifft, die sie uns einst für
unseren Heimweg in den Pappkarton legte, so werde ich ihr garantiert nicht
die Wahrheit auf die Nase binden. Ich werde ihr also nichts davon erzählen
wie bei der erstbesten Tankstelle die stinkenden Lappen in den Abfall
gewandert sind sondern für Frau Seitling hört sich meine kleine Notlüge so
an: "Wissen sie Frau Seitling, die Tücher haben wir leider schon lange
nicht mehr. Die sind eines Tages vom vielen Sauber machen und waschen
einfach auseinander gefallen. Und was nun die Namen unserer Frettchen
betrifft, so heißt nun der Rüde Barny und die Fähe hört auf Betty."
Jetzt kann ich es mir doch nicht mehr verkneifen und frage nach, warum sie
uns beim Kauf dieser Frettchen nicht ihre Namen verraten hat. Vielleicht
würden sie ja heute immer noch Freddy und Ella heißen, das klingt doch gar
nicht mal so schlecht? Doch wie von mir erwartet, bekomme ich keine
Antwort darauf, dafür aber ein paar neue Fragen. "Ist ihnen eigentlich in
der letzten Zeit irgend etwas komisches oder sonderbares am Verhalten
meiner, oh Entschuldigung, ihrer Frettchen aufgefallen? Wie heißen sie
doch gleich? Ach ja! An Betty oder Barny oder an allen Beiden? Na Frau
Trimmdich? Wie schaut's denn aus?"
Unvermittelt nimmt das Gesicht meiner Besucherin so einen gewissen
Ausdruck an. Wie soll ich mich bloß treffend ausdrücken? Na ja, ihre
Wangen und auch ihre Stirn überzieht plötzlich ein ungesunder und
rötlicher Hauch. Ihre Augen scheinen regelrecht zu erstrahlen, aber in
einem eher eisigen Glanz und werden von einem feuchten Schimmer überdeckt.
Dessen ungeachtet haben die Mundwinkel ein befremdendes beziehungsweise
doppelsinniges Lächeln angenommen, das mich wohl eher unangenehm berührt.
Mit anderen Worten, es sieht für mich im Großen und Ganzen verkommen aus
oder schmutzig, obszön halt.
Ich kann mir schon so ungefähr denken, in welche Richtung die Frau
Seitling unser Gespräch jetzt lenken will, aber ich spiele die absolute
naive Unschuld vom Lande und so arglos wie nur möglich antworte ich mit
einem sehr schlichten: "Nein, wieso?" Und noch eine ganze Spur einfältiger
frage ich sie: "Sollte mir denn etwas an meinen Frettchen aufgefallen
sein?"
Ganz tief in meinem Inneren habe ich flehentlich gehofft, so der Frau
Seitling buchstäblich den Wind aus den Segeln zu nehmen, aber erreicht
habe ich genau das völlige Gegenteil. Wie ich es eben aus ihrem Munde
höre, möchte sie mich doch etwas genauer aufklären wie sich die Sache mit
den Bienchen oder auch dem Klapperstorch bei dem Frettchen verhält. Was
sie nun ziemlich deutlich in die Tat umsetzt und was sich dann ungefähr so
anhört:
"Das Barny ein Kerl ist, sieht man ja schon an den zwei Murmeln die
zwischen seinen Hinterbeinen baumeln. Betty, die hat ja diese Dinger
sicherlich nicht, ist also ein Weib. Aber ich hatte ihnen ja schon beim
Verkauf der zwei Süßen verklickert, das es sich um ein Pärchen handelt.
Und nun zu dem, was mir sofort unangenehm in die Nase stieg, als ich ihr
Haus betrat. Ich bin da mal ganz direkt, das war der strenge und beißende
Geruch nach juckigen und mit viel Lust voll gepumpten Frettchen. Halten sie
die Viehcher etwa in der Wohnung?"
Meine zurückhaltend dazwischen geworfene Frage: "Was heißt hier eigentlich
juckig und mit viel Lust voll gepumpt?", wird von der Frau Seitling einfach
ignoriert.
"Ist ihnen schon einmal aufgefallen, das die Beiden sich auffallend oft
mit dem Hinterteil des Anderen beschäftigen? Die Schnecke leckt am
Liebesknochen des Kerls herum, und der Kerl bearbeitet die Schnecke der
Kleinen nach allen Regeln der Kunst. Die könnten sich dann regel-recht
hinein knien, wie in einem Rausch und können gar nicht wieder aufhören,
wenn sie erst einmal richtig losgelegt haben. Das haben sie doch bestimmt
schon gesehen? Und was den eigentümlichen Geruch der Frettchen betrifft,
so ist der doch jetzt zweifellos so richtig Ekel erregend, sie stinken halt
gen Himmel! Bei dem Burschen müsste es sich in den letzten paar Tagen
eigentlich am Stärksten bemerkbar gemacht haben. Und ich bin mir völlig
sicher, das es ihm mächtig zwischen den Beinen krabbelt. Na, Frau
Trimmdich, kommt ihnen jetzt irgend etwas davon bekannt vor?"
Abwartend schaut Frau Seitling mir fest in die Augen und lauert wohl auf
irgendeine Erklärung meinerseits oder auch nur eine Interpretation ihrer
Worte. Ich hoffe nur vom ganzen Herzen, das ihr nicht auffällt, wie ich
buchstäblich auf glühenden Kohlen sitze, weil mir genauer gesagt ihre
auffallenden und sehr unverblümten Auslegungen über die körperlichen sowie
offensichtlichen Veränderungen im Leben meiner zwei Frettchen auf die
Nerven gehen. Und deshalb antworte ich jetzt auch ziemlich verhalten,
damit man mir meine anwachsende Entrüstung nicht anmerkt: "Na ja, wenn ich
ehrlich bin, irgendwie hat sich schon etwas verändert, aber so gründlich
habe ich nie hingeschaut!"
Diese wenigen Worte stacheln sie aber nun, "Leider Gottes!" zu noch mehr
Anzüglichkeiten, betreffs Liebesleben meiner Frettchen, an.
"Also, das mit dieser ekelhaften Ausdünstung. Na gut, ihnen zu Liebe, eben
Geruch, muss ihnen aufgefallen sein. Das stinkt ja schon bis aus der Tür
heraus. Nein, nein, keine Bange! Ich meine jetzt wirklich nur den Geruch,
das hat nichts mit ihrem Haus zu tun. Absolut nicht. Ganz im Gegenteil,
trotz der zwei Frettchen ist hier alles an seinem Platz. Aber lassen wir
doch dieses Thema. Bei der Art und Weise wie Barny und Betty miteinander
umgehen, außer dieser fortwährenden Leckerei und Schnüffelei am Arsch, ups
-eh Hintern, muss ihnen aber etwas absonderlich vorgekommen sein!? Hat der
Bursche sein Weib nicht schon an ihrem Nacken durch die Gegend oder den
Stall geschleift und ist dann brutal bei ihr aufgeritten? Und immer wieder
rein das Ding, hoch und runter und hoch und runter? Ne, haben sie noch
nicht gesehen? Ehrlich nicht? Ich könnte da stundenlang auf der Lauer
liegen und die Frettchen bei ihrer wilden Treiberei beobachten. Echt geil
und was die für eine Ausdauer entwickeln! Das ganze Drumherum brauche ich
nicht unbedingt zu wissen, Hauptsache es rappelt ordentlich in der Kiste,
wa. Mein Kurtchen könnte sich ruhig mal ein kleines Scheibchen
abschneiden!"
Bei ihre ununterbrochener Schwätzerei, die ihr regelrecht nur so aus dem
Mund zu fließen scheint, eigenartigerweise habe ich nahezu blitzartig das
Bild von aufgefädelten Perlen vor meinem geistigen Auge die unaufhörlich
von einer defekten Kette gleiten, muss ihr einfach mal die Puste
wegbleiben. Ihr ausdauerndes und für mich schon sehr peinlich werdendes
Geschwafel wird nämlich durch einen heftigen Hustenanfall unterbrochen.
Und da sie doch noch ein kleines Quantum
von Anstand in sich haben muss, dreht sie sich von mir weg. Aber nur, um in
das blass rosafarbenen Taschentuch, das mit den hübschen zierlichen
Spitzen, geräuschvoll und mehrmals hinein zu spuken. Igitt igitt oder
anders ausgedrückt, pfui Teufel noch mal!!!
Das hört sich für mich nach einem sehr argen Raucherhusten an und da meine
geliebte Frau Mama auch fleißig der Qualmerei (Raucherei) frönt, weiß ich,
wovon ich rede. Aber ich bin auch ein wenig froh, das Frau Seitling von
diesem Husten richtig ordentlich gequält wird und sich von mir wegdreht,
so sieht sie nämlich nicht, wie ich buchstäblich von einer Sekunde zu der
Anderen rot anlaufe, von meinem Halsausschnitt aufwärts bis unter die
Haarspitzen.
Aber es ist bei weitem nicht nur dieses dumme Geschwätz, was mich puterrot
anlaufen lässt sondern auch eine fast nicht mehr bezwingbare Wut und ein
wirklich abgrundtiefer Ekel gegen die Frau Seitling. Und wieder schleicht
sich klar und deutlich eine unschöne Erinnerung bei mir ein. Genau solchen
Ekel und tiefe Abneigung empfand ich schon bei unserer ersten und bis
dahin einzigsten Begegnung, "Dem Himmel sei Dank!" und sie verdankt es
jetzt nur meiner guten Erziehung, das ich sie nicht im hohen Bogen
hinauswerfe und ohne ein weiteres Wort vor die Tür setzte. Statt dessen
setze ich die freundlichste Miene auf, zu der ich gegenwärtig überhaupt
fähig sein kann, und verschaffe mir ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, indem
ich ihr nun zum Besten gebe, welche Veränderungen ich bei meinen beiden
Lieblingen Betty und Barny beobachtet habe. Und man kann es fast kaum
glauben, Frau Seitling hört sich aufmerksam an, was ich ihr zu sagen habe
und das sogar, ohne irgendwelche Bemerkungen einzuwerfen.
Und so
weiter..............

 
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